Der Muntjak, auch Zwerghirsch oder Bellhirsch genannt, gehört zu den kleinsten Vertretern der Familie der Hirsche. Sein durchschnittliches Stockmaß beträgt etwa 40-45 cm bei einem Körpergewicht von ca. 15-20 kg. Je nach Literatur wird ein erreichbares Lebensalter von bis zu 19 Jahren in Menschenobhut angegeben. Er gehört zu den ursprünglichen Hirschen. Das männliche Tier verfügt über ein nur kleines spießartiges Geweih. Besonders sind jedoch die bei beiden Geschlechtern vorhandenen langen Eckzähne im Oberkiefer, die mitunter zur Verteidigung des Reviers genutzt werden. Ebenfalls auffällig sind die großen schlitzförmigen Voraugendrüsen, die die Tiere bei Erregung weit öffnen können. Sie produzieren Duftstoffe, die üblicherweise zum Markieren des Reviers genutzt werden. Muntjaks verfügen auch über eine recht lange Zunge, mit der sie sich über die Augen lecken können. Die Ernährung ist hauptsächlich pflanzlich, vor allem Laub wird gern gefressen. Sie bekommen aber auch viel Gemüse und etwas Obst. In der Literatur ist zu lesen, dass sie anders als unsere heimischen Hirsche auch carnivore (tierische) Kost nicht verschmähen. Wir haben ihnen diesbezüglich im Laufe der Jahre vieles angeboten, wurde aber meinst ignoriert. Der Ausdruck "Bellhirsch" kommt von seinem Ruf, der an das Gebell eines Hundes bzw. Fuchses erinnert. Dieser ertönt allerdings meist nur bei Gefahr bzw. wenn sich die Tiere bedroht fühlen oder aufgeregt sind.
Der Muntjak stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum, wo er in verschiedenen Unterarten vorkommt. Das größte Verbreitungsgebiet hat der chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi reevesi). Dieser ist wohl auch der in Europa am häufigsten gehaltene. Durch Gefangenschaftflüchtlinge und Ansiedlungsversuche kommt die Art mittlerweile auch freilebend in Groß Britanien und den Niederlanden vor. Der Muntjak wird dort als Neozon angesehen und die Bestände wachsen stetig. Die Tiere haben eine durchschnittliche Tragzeit von etwa 7 Monaten (200-220 Tage). Es kommt in der Regel ein Kitz zur Welt, dass grob 4 Monate gesäugt wird. Muntjaks sind sehr frühreif und können bereits im Alter von einem halben Jahr die Geschlechtsreife erreichen.
Ungewöhnlich für einen Vertreter der Familie der Hirsche ist seine einzelgängerische Lebensweise. Eine paarweise Haltung ist meist möglich, wobei die Jungtiere ab einem gewissen Alter oft energisch vertrieben werden. Hin und wieder gelingt auch die Gruppenhaltung. Allerdings ist dies nicht die Norm.
In Freiheit sind Muntjaks überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie führen meist ein sehr heimliches, verstecktes Leben in dichtem Unterholz und Gebüsch, in dem sie sich sicher fühlen. Eingewöhnt sind die Tiere überwiegend am Tage aktiv, mit kleinen Ruhepausen zwischendurch.


Zunächst wurden wir auf diese schönen Tiere in einem Zoo aufmerksam und stellten nach etwas Recherche fest, dass Muntjaks auch in Privathaltungen gepflegt werden. Die Mutjakhaltung blieb anfangs jedoch erst einmal Theorie und Wunschdenken. Nachdem wir uns via Literatur, im Internet und durch Fachkundige über die Haltung hinreichend informiert, sowie erste Kontakte zu Muntjakhaltern geknüpft hatten, begann die Gehegeplanung. Wir hatten uns zunächst für die Einzelhaltung eines männlichen Tieres entschieden. Dieses wurde nach dem Einzug sehr schnell zutraulich und zahm. Es handelte sich bei diesem Tier um einen chinesischen Muntjak (Muntiacus reevesi reevesi). Nach erfolgreicher Pflege des Muntjaks waren wir noch begeisterter von diesen wunderschönen Tieren und auch positiv überrascht, als wie problemlos sich die Haltung erwies. Im Verlauf kamen noch taiwanesische Muntjaks (Muntiacus reevesi micrurus) hinzu. Um eine Kreuzung der beiden Unterarten zu vermeiden wurden die Tiere getrennt von einander untergebracht.


Vor einiger Zeit hatten wir auch mal ein Flaschenkind zu betreuen. Das Muttertier hatte leider Komplikationen nach der Geburt und verstarb kurz darauf. Die Aufzucht eines kleinen Muntjaks ist nicht ganz unproblematisch. Sie orientiert sich sehr an der eines Rehkitzes. Zum Glück konnten wir bei einem nahegelegenen Ziegenhof immer frische Milch bekommen.





